Florian Schallauer

Als ich nach meinem Studium an der Universität Wien wieder nach Purkersdorf zurückzog und meine Heimatstadt nun mit zunehmend offeneren Augen betrachten konnte, mit kritischerem Blick und einer besseren Vorstellung davon, wie es aussehen könnte, fielen mir auch stärker die Veränderungen auf, die Purkersdorf seit meiner Kindheit durchgemacht hat.

Der Blick von der Feilerhöhe über die Stadt ist für mich einer der ikonischsten, denn mit ihm bin ich aufgewachsen. Im Wald am Hang der Feilerhöhe habe ich spielend einen großen Teil meiner Kindheit verbracht. Heute ist er eine, als Streuobstwiese bezeichnete, Wiese der Hundstrümmerl, von deren Spitze aus man, meist inmitten von Müllbergen aus Vodkaflaschen, Pizzakartons und Zigarettenstummeln, die aus der vorabendlichen Waldparty jugendlicher Purkersdorfer:innen zurückgelassen wurden, den monströs anmutenden und abendlich wie ein Tempel beleuchteten Komplex des Architekten, der das Purkersdorfer Stadtbild in den letzten Jahren stark mitgeprägt hat, betrachten darf. In der Ferne stechen noch einige mehr ähnlicher Neubauten ins Auge. Purkersdorf scheint zu wachsen. Einige meiner Freunde und Bekannten hatten in den letzten Jahren die Absicht geäußert auch wieder nach Purkersdorf zurückzukehren, doch getan hat es letztlich niemand. Unleistbar seien die Wohnungen. Ob es den Jugendlichen, die auf der Feilerhöhe nachts Party machen und mit Geschrei und lauter Musik sämtliche Anrainer verärgern eines Tages ähnlich ergehen wird?

Es sieht danach aus, wenn die Zustände in der Purkersdorfer Kommunalpolitik nicht drastisch verändert werden. Das Interesse überwiegender Teile der Bevölkerung scheint nicht überragend groß zu sein, denn es ist schwer nachvollziehbar, wie Parteien ohne jedwedem Programm, geschweige denn Ambitionen, Purkersdorf zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten, die Mehrheiten im Gemeinderat stellen können.

Schlögl wirkt nach. Doch von dessen Nähe zur Bevölkerung ist kaum etwas übriggeblieben. Mit zweifelhaften Methoden und ebenso zu bezweifelnder Kompetenz wird über die Köpfe der Bewohner (und mitunter parteifremder Stadträte) wegentschieden, anstatt sie einzubinden. Nach transparenten, evidenzbasierten und zukunftsfähigen Gestaltungsmaßnahmen kann man lange suchen. Stattdessen warten bereits eine Reihe freifinanzierte Großbauprojekte auf die nun baldige Aufhebung des Baustopps, der Purkersdorf eine so wichtige Phase der Entschleunigung und Zeit für stadtplanerische Reflexion ermöglicht hätte.

Doch es geht wie gewohnt weiter. Das Stadtbild wird weiter von Betonklötzen zerrissen werden, der Teil des Hauptplatz vor der Kirche bleibt eine einzige Parkfläche, denn es scheint keine besseren Ideen zu dessen Nutzung zu geben. Für die Jugendlichen, die sich im Nikodemus wahrscheinlich weniger zu Hause fühlen, als andere Purkersdorfer:innen, gibt es offenbar nur den Hügel im Wald oder die Kellerwiese, wo sie sich zurückziehen können, denn dort rauf plagt sich die Polizei nur wenn die Beschwerden wegen nächtlicher Lärmbelästigung mal wieder ein zu hohes Ausmaß erreichen.

Wohin soll sich Purkersdorf entwickeln? Eine klare Perspektive scheint es nicht zu geben, dabei liegen die Antworten auf der Hand. Es ist die sozial gerechte, demokratisierte und ökologisch nachhaltige Kommunalpolitik, die der Schlüssel zur Bekämpfung der Klimakrise, der größten existenziellen Herausforderung der Menschheit, ist. Nationale und globale Umweltpolitiken müssen auf großer, ebenso wie auf kleinster Ebene umgesetzt und gelebt werden. Machtlos sind wir nicht, denn nur innerhalb der eigenen Reichweite, können Dinge verändert werden und nur mittels Veränderung lässt sich die eigene Reichweite vergrößern. Dass Klimapolitik nur dann ihre volle Wirksamkeit entfalten kann, wenn sie von möglichst vielen Menschen mitgetragen wird, macht es – ganz abgesehen von grundlegenden moralischen Überlegungen – umso erforderlicher für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Nachhaltige Raum- und Verkehrsplanung, leistbares Wohnen, Räume zur Entfaltung und demokratische Partizipation sind nur einige Katalysatoren, mit deren Hilfe auf Gemeindeebene bedeutsame Ergebnisse erzielt werden können und die das Potential von Purkersdorf ein regionales, vielleicht sogar nationales, Vorbild zu sein verwirklichen könnte.

Die SPÖ/ÖVP Regierung zeigt, dass sie an Entwicklungen wie diesen kein Interesse hat. Sofern es keine inhaltliche Neuausrichtung dieser Parteien gibt, kann positive Veränderung also leider nicht erwartet werden und so bleibt nur noch ein politischer Wechsel.

Wenn Sie Interesse an der Zukunft Purkersdorfs haben, an einer Heimatstadt, die die Menschen zur Partizipation einlädt und nicht (wie es momentan der Fall ist) das Gegenteil tut, wenn Sie mitreden und mitgestalten möchten, sich einbringen möchten, Ideen, Wünsche und Kritik haben, wenn Sie nicht passiv zusehen möchten, wie sich Ihre Umgebung um Sie verändert und Sie dabei nicht mitreden können, sind Sie herzlich eingeladen, zu uns zu kommen und sich frei nach ihren eigenen Vorstellungen einzubringen und mitzuhelfen, Purkersdorf gemeinsam auf einen neuen Weg zu bringen und zu verändern.

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